Maler ohne Grenzen

In den meisten Publikationen zur Person und zum Werk Otto Schliwinskis wird der vielseitige      Künstler nur als “Maler der Masse” hervorgehoben. Dies mag oberflächlich betrachtet auch das wichtige Sujet seiner Arbeit sein, ein Thema, was ihm internationale Anerkennung gebracht hat, und doch würde es dem Lebenswerk Schliwinskis nicht gerecht nur diesen Aspekt zu beleuchten. Lernt man den Menschen Otto Schliwinski kennen, erschließt sich eine komplexe Persönlichkeit, die in erster Linie von Humanismus, Bescheidenheit und Dankbarkeit geprägt ist. Lezteres bezieht sich auf das Lebensglück bereits viele Katastrophen überlebt zu haben, Halt in seiner Familie zu finden und den Erfolg seiner Arbeit miterleben zu dürfen. Diese Charakterisierung muß man bewußt vor Augen haben, um das Werk des Künstlers auch in der Tiefe zu verstehen.

OTTO SCHLIWINSKI      EIN MALER OHNE GRENZEN

Die thematische Aufteilung des Werkes von Schliwinski in “Menschen - Straßen - Landschaften” entspricht scho eher den Sujet seiner meisterlichen Arbeiten in den verschiedensten Techniken, von gegenständlich bis abstrakt. Diese Themenkreise bestimmen die Skizzen vorort, die erwährend seiner Reisen in alle Erdteile fertigt und die im Atelier entstanden Arbeiten. Diese drei Blickpunkte der Weltbetrachtung sind auch im Spiegel seiner Persönlichkeit. Die Menschen sind Ausdruck seiner humanen Gesinnung. Mit den Bildern der Masse kritisiert er nicht sondern er dokumentiert einen Aspekt des Zeitgeistes, in dem das Individum seine Existenzberechtigung zu Gunsten der Masse verliert.

Der Mensch als Mensch ist von Bedeutung, egal in welchem politisch abgegrenzten Teil der Erde er sich befindet, sonst degradiert er sich zum Tier, zu “Menschenameisen” , wie Otto Schliwinski eines seiner Bilder nennt.

Die Straßen mit den Häusern vertreten die konstruktivistische Seite des gelernten Brückenbauingeniers. In diesen Arbeiten manifestiert sich am deutlichsten die hevorragende Technik seiner Malerei und Grafik, auf diesem Gebiet kann er am eindringlichsten Beruf und Berufung verbinden. Seine Landschaften, egal ob Stadtlandschaften oder Natur, zeigen den stärksten Ausdruck der Emotion in der inneren Einsamkeit. In diesem Bereich fehlt gänzlich das Menschliche. Wie es in den Naturlandschaften keine Staffagefiguren gibt, so fehlt auch in den Stadtlandschaften, auch wenn die Häuser von Menschenmassen durchbrochen werden, jeder Bezug der Induviduen zueinander. Diese emotionale Komponente ist bei Otto Schliwinski stark ausgeprägt, der obwohl privat ein äußerst umgänglicher Mensch, für seine künstlerische Arbeit die Einsamkeit vorzieht.

Otto Schliwinski ist nicht primär der "Maler der Masse", sondern der "Maler ohne Grenzen", wobei sich die "Grenzenlosigkeit" bei ihm zur künstlerischen Metapher in vielerlei Aspekten entwickelt hat. Die geografisch-politische Komponente zeigt sich in seiner kosmopolitischen Gesinnung, denn politische Grenzen sind durch Menschlichkeit überwindbar, eine weltweite Verständigung der Völker durch Toleranz machbar. Diese Einstellung schenkte Schliwinski während seiner Reisen und Ausstellungen viele Freunde auf der ganzen Welt.

Auch Sujet, Inhalt und Aussage seiner Arbeiten sind keine Verständnisgrenzen gesetzt. Das, was der Künstler ausdrücken will und dokumentiert, ist weltweit ein Thema und zu verstehen. Das Problem der Masse manifestiert sich zwar in Industrie- und Entwicklungsländern verschieden - die industrialisierte Gesellschaft kämpft gegen Modediktate und Übersättigung, die der dritten Welt gegen Überbevölkerung und Hunger - aber das Problem an sich ist weltweit vorhanden. Den Gedanken der Grenzenlosigkeit kann man auch auf den schöpferischen Prozeß des Künstlers umlegen. Die Komposition wirkt immer zufällig, wie ein kleiner Teil aus einem größeren herausgeschnitten, der Rahmen des Bildes wird zum Fenster, hinter welchem sich das Dargestellte fortsetzen könnte. Sogar während des Schaffensprozesses wandert der Pinsel, da Schliwinski immer an mehreren Werken gleichzeitig arbeitet, von einem Blatt zum anderen, die er wie eine Landkarte auf dem Boden vor sich ausbreitet. Die Ausstellung in Italien wird auf Wunsch des Künstlers durchgeführt, der sich nach seinen Weltreisen wieder verstärkt Europa zuwenden möchte. Otto Schliwinski hat nun, mit beinahe siebzig Jahren, vielleicht seine persönliche Grenze gefunden, indem sich für ihn viele Lebenskreise zu schließen beginnen. Auch nach Ischia fand er nach vielen Jahren zurück. Dort, wo er als junger Künstler Kollegen auf einer Studienreise geführt hat, stellt er Hauptwerke seines Schaffens, sowie vorort gemalte Motive der Insel und Neapels aus.

In bezeichnender Weise möchte er, noch in der Euphorie eines kreativ-befriedigenden Schaffensrausches die "ganze Welt" umarmen.

Dr.EVA LEITHNER


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